Logo TOBEL


TOBEL

BILDHAUER / SCULPTOR


NEWS

HISTORY

NATIONAL /
INTERNATIONAL
PROJECTS


SCULPTURES

VITA /
CV


EXHIBITIONS

CONTACT /
AGENTS


© 2005-07
webdesign weidl






WasserSteine
WaterStones

Millstatt - Austria

3. - 29. May 2009

 

More >>

TOBEL Sculpture




2. Sculpture Symposium
" Korca 2009 "

Albania

25. June - 8. July 2009

 

More >>




Urumqi International Urban Sculpture Symposium

China - Xinjiang


10. July - 23. August 2009

 

TOBEL

DVD
" TOBEL Light "


Dokumentar-Film
von Hans Riesch

Der Film begleitet den Bildhauer TOBEL
binnen eines Jahres, bei der Arbeit
an der Stein-Skulptur "Light"

Länge 12 Minuten


bestellen per E-mail unter "Contact"

TOBEL DVD

documentary-movie
from Hans Riesch

the movie accompanies the sculptor TOBEL during one year, at his work
"Light"

length 12 minutes


order by e-mail at "Contact"


Der Film ist zu sehen / you can see the movie

www.mundus-art.com




Künstlerportrait erschienen im mundus Münchner Kunst- und Kulturwelt Heft 1/2009

Der Steinflüsterer

Der Bildhauer TOBEL und das Phänomen der sprechenden Steine

LENA RUPPRECHT

„Stein ist die verdichtete Geschichte des Universums“, sagt ein Sprichwort. Dieses Material, das von manchen als uninteressant - da angeblich leblos - empfunden wird, wurde für den Bildhauer Tobel zum Mittelpunkt seiner beruflichen Existenz und zum attraktivsten Material für sein künstlerisches Schaffen. Tobel arbeitet an, mit, auf und manchmal auch im Stein - und das praktisch jeden Tag.
Der 1968 in München geborene Künstler entstammt einer Familie mit langer künstlerischer Tradition. Bereits der Urgroßvater war Bildhauer in München; die Mutter, Lotte Koch, absolvierte die Münchner Kunstakademie und ist eine bekannte Malerin und Zeichnerin im Oberland. Tobels Liebe zum Stein begann  auf der Rudolf-Steiner-Schule in einem Kurs zum Thema Steinbearbeitung. Inspiriert von dieser ersten Begegnung mit dem harten Material entschloss er sich nach der Schulzeit zu einer Steinmetzlehre, die er jedoch bald zugunsten einer klassischen Bildhauerausbildung an der Bildhauerschule im Vinschgauer Laas aufgab. Laas ist bekannt durch seinen glänzenden, hellweißen und feinkörnigen Marmor. Ebenso klassisch wie der berühmte Stein ist auch die Ausbildung der Bildhauer, die das Handwerk dort lernen „von der Pike auf“, wie man gerne sagt: Zeichnen, Modellieren, Abgüsse herstellen, Punktieren – die Übertragung des Modells auf den Stein – und die Ausarbeitung in Marmor. Einige Jahre arbeitete Tobel auch in Holz, fand jedoch immer wieder zum Stein zurück. Es ist das Material, das ihn am meisten fasziniert.
Bildnerisches Arbeiten in Stein ist ein schweres Geschäft. Nur mühsam und mit großem Kraftaufwand lässt sich die Form der harten Substanz abringen. Gleichzeitig ist nichts so sensibel wie Stein: ein falscher Schlag, ein Sprung, ein Riss - und das ganze Konzept ist zerstört.

Die alte Geschichte von Menschen und Steinen

Stein, vom altindogermanischen styayate – gerinnen, fest werden, abgeleitet, spielt in der Kulturgeschichte der Menschheit eine bedeutende Rolle. Wegen seiner Härte und Unveränderlichkeit wird Stein häufig mit ewigen und göttlichen Mächten in Verbindung gebracht und als Ausdruck konzentrierter Kraft empfunden. Wie viel Schöpfungskraft dem Stein zugeschrieben wurde, erzählt eine alte Geschichte aus der griechischen Mythologie: Als Zeus einst das Menschengeschlecht durch eine Sintflut vernichten wollte, baute Deukalion, der Sohn des Prometheus, auf Rat seines Vaters einen großen Kasten aus Holz, den er mit dem Lebensnotwendigen belud. Zusammen mit seiner Gemahlin Pyrrha wurde Deukalion neun Tage und Nächte von den Fluten hin- und hergetrieben, bis er schließlich am Parnassos in Boiotien landete. Als Zeus ihm eine Bitte gewährte, wünschte sich Deukalion, neue Menschen erschaffen zu können. Auf die Weisung des Gottes hin warfen Deukalion und Pyrrha Steine hinter sich, aus denen neue Männer und Frauen hervorgingen.
Steine galten als fruchtbarkeitbringend und regenspendend. Als Grabsteine schützten sie die Toten vor feindlichen Mächten und spielen bis heute eine zentrale Rolle im kultischen Leben: von den  Steinkreisen der Megalithkulturen (Stonehenge) bis zum schwarzen Meteoriten in der Ka´aba zu Mekka, der zentralen Kultstätte des Islam. Schon immer spürten Menschen die im Stein verborgene Kraft. Steine sind eine hochverdichtete Form von Energie. Das gilt für Steinkunstwerke in besonderer Weise.

Das Innere sichtbar machen: Zeitdepots

Üblicherweise bearbeitet ein Bildhauer die Außenseite des Steins. Nicht so Tobel. Viel mehr als die äußere Oberfläche fasziniert ihn das Innere, der Blick in den Stein hinein. Seine bevorzugten Materialien sind Marmor und Granit. Marmor hat ein Alter von zweihundert bis fünfhundert Millionen Jahren; Granit ist bis zu anderthalb Milliarden Jahre alt, ein Tiefengestein vulkanischen Ursprungs aus erstarrtem Magma. Tobel arbeitet mit Ausbohrungen in Form von Höhlen, Spiralen, Gängen oder Röhren und nennt seine Skulpturen „Zeitdepots“.  Sie machen Schichten sichtbar, die ein unvorstellbares Alter besitzen. Bevorzugtes Material ist Granit, weil er homogen ist und frei von Rissen oder Adern. Langsam arbeitet sich der Bildhauer mit Diamant-Sägen und Bohrern, Druckluft-Hämmern, Hammer und Meißel Zentimeter für Zentimeter in den Stein hinein, wie von einem Forscherdrang getrieben. Außen mag Tobel die Steine am liebsten bruchrauh. Aber die Tiefendimension seiner Kolosse fasziniert ihn. Dieser Tiefe gibt er eine ätherisch schöne Gestalt: immer wieder neu und immer wieder anders. Ein von ihm oft verwendetes Motiv ist die Spirale: runde, ovale, breite und schmale, mit vielen oder wenigen Windungen. Spiralen setzen sich in beide Richtungen unendlich fort. Denkt man ihre zwei Enden weiter, zielt ihre innere Linie auf das unendlich Kleine, ihre äußere auf das unendlich Große. In Stein gehauen werden Spiralen vor allem dann interessant, wenn sie die Rückseite der Skulptur durchbrechen und dem Licht wie auch dem Auge des Betrachters einen Durchblick ermöglichen. Von diesem Motiv ausgehend, arbeitete Tobel in letzter Zeit verstärkt mit Formen, die das Sonnenlicht in den Stein hineinholen. So entstand die Serie „Light“, was Licht und leicht zugleich bedeutet. Im Tagesverlauf verändert sich bei diesen Skulpturen die Ausleuchtung des Innenraums. Manchmal bekommen sie auch – für den Betrachter unsichtbar – Leuchtdioden in das Steininnere hineingesetzt, die der Skulptur in der Nacht ein geheimnisvolles Aussehen verleihen.

Sensibler Dialog mit hartem Material

Tobels Stärke als Bildhauer liegt in seiner Begabung, den Stein, der als Bruchstück zunächst tot zu sein scheint, zum Sprechen zu bringen. Es gelingt ihm, dem Unzugänglichen eine Sprache verleihen und es zu ermuntern, sich auf seine ganz eigene Weise zu äußern. Das braucht große Sensibilität und eine besondere Liebe zum Material. Wenn Tobel mit seinem Hammer auf einen Stein schlägt, hört er genau, ob der Stein „gesund“ ist und ob er ihm antwortet . Dann beginnt ein langsamer Dialog zwischen dem tonnenschweren Koloss und dem behutsam arbeitenden Künstler, an dessen Ende eine Skulptur entsteht, die zeitlos ist. Dieses Material hält noch viele Millionen Jahre und überzeitlich sind auch die Formen, die Tobel hineingegraben hat: uralte, archaische Motive wie Spirale, Ei, Kreis, Gerade, Dreieck oder Quadrat. Sie sprechen eine Sprache, die noch in Jahrtausenden verstanden werden wird.
Tobels Faible sind übrigens die Steinriesen: am besten acht Meter hoch und sechzig Tonnen schwer. Doch kleinformatigere Arbeiten besitzen für ihn ebenfalls einen Reiz. Auftraggeber für größere Werke sind häufig Unternehmen oder Kommunen. Auch Privatleute entdecken mehr und mehr den Reiz von Steinskulpturen in Haus oder Garten. Viele Auftraggeber kommen aus Asien, insbesondere aus Korea oder Taiwan. Hier haben Steinskulpturen für den Innen- und Außenbereich eine längere Tradition als in Europa, wo Kunstliebhaber sich eher ein Bild kaufen als ein Steinkunstwerk zur Verschönerung von Garten oder Terrasse zu erwerben. Doch vieles ist im Umbruch. Mit steigendem Interesse für fernöstliche Philosophie und Lebensweise gewinnen Steinskulpturen in Europa zunehmend an Attraktivität. Wer das Beständige liebt und eine Kunst, die Kraft ausstrahlt und jede Zeit überdauert, wird an den steinernen Zeitzeugen seine Freude haben.